FIKTIVES REISETAGEBUCH 2020

Extremadura. Unter dem weiten Himmel

Trujillo. Störche auf dem Turm der Kathedrale

Madrid, Sonntag, 29. März, erster Tag
Madrid, morgens um zehn, Gran Cafe de Gijon, meine Lieblingsbar. Einige Reiseteilnehmer*innen wissen das und so darf ich meinen Tisch mit ihnen teilen. Wir essen Tapas, Tapas, Tapas und erweitern unsere Runde mit dazugezogenen Stühlen. Der Ober schaut ob der deutschen Unorthodoxie erst streng, dann freundlich. Später am Flughafen wartet der Bus, Edoardo freut sich, dass er uns fahren darf, ich freue mich, dass Edoardo fährt. Er fädelt den Reisebus in die Autobahnspur ein, wir passieren das Atletico-Madrid-Stadion, die Vororte der großen Stadt, rechts erscheint der Höhenzug des Kastillischen Scheidegebirges (»Da liegt ja noch Schnee!«) und nach knapp drei Stunden und einem Stopp in der spanischsten Bar auf der Strecke erreichen wir abends um halb sieben Trujillo. Herrliche Plaza Mayor, wunderbares Hotel ein paar Schritte darüber, leichter, noch warmer Wind, alle Menschen und ihre Koffer vor der Rezeption, Zimmerverteilung. Die Gruppe löst sich in die verschiedenen Flure und Treppenhäuser auf, die Mitreisenden wissen, dass wir uns um fünf vor acht wieder hier treffen. Um acht ziehen wir los. Es geht nur über die Plaza, in einem seitlichem Hof ist die Türe bereits geöffnet. Maria Sanchez erwartet uns. Das Menü: Baccalau mit Orangen und schwarzen Oliven, vorher Salat aus gebratener Paprika, Spargel und ein wenig Thunfisch, nachher eine Art Zitronensorbet mit Champagnerpfützchen (Verzeihung, aber mir hat Schaumwein noch nie etwas bedeutet). Bei Himmelsdunkelblau und scheinbar abgestimmter festlicher Illuminierung des Domes, der Häuser am Platz sowie des Reiterstandbildes (Pizarro) fällt es leicht, den Rückweg zum Hotel sehr langsam einzuschlagen. Gute erste Nacht in der Extremadura.

Trujillo/Sierra de Montánchez, Montag, 30. März, zweiter Tag
Das Hotelfrühstück wird im ersten Stock des Palacio Santa Marta in einer Art Panoramaraum zur Vogelbeobachtung kredenzt. Wer will, setzt sich nahe der großen Glastüren, frühstückt und sieht dabei den Glanzstaren zu. Die jubilieren wenige Meter gegenüber auf Kaminen, Mauervorsprüngen, Simsen. Hoch darüber schweben und klappern die Störche, Rötelfalken jagen, auf der Gasse bellt ein seltsam bekleideter Hund (er trägt ein Häkelcape) und auf der Plaza unten versammelt sich die Elternschaft Trujillos, um die Kinder vor der Schule abzuliefern. Mit dem Auto. Unser Busfahrer hatte uns vorgewarnt, entweder vor neun oder nach halb zehn da zu sein, weil er in der halben Stunde des Kinderbringens nicht manövrierfähig sei. Wir schaffen die Flucht in Richtung Montánchez gerade so. Als wir dreißig Minuten später aussteigen, regnet es leicht. Ich beruhige die Tn, das sei jedes Jahr am ersten Tag das gleiche, in etwa dreißig Minuten würde der Regen wieder aufhören. Ich habe Glück, zwanzig Minuten später kommt die Sonne durch die Wolken, aus dem kühlen Wind wird ein angenehmes Lüftchen und als wir in den den Wanderweg einbiegen, öffnet sich die Sicht in die Weite. Perfekt. Mittags scheint es, hätten Wirte und Gäste in der Bar »Pensionistas« schon auf uns gewartet. Eigentlich ist es keine Bar, sondern eine Art Tagesstätte mit Ausschank für ältere Mitbürger (100 % maskulin), aber wir sind willkommen und ich darf, damit es nicht ewig dauert, beim Bedienen mithelfen. Neun Kaffees mit und fünf ohne Milch, zwei Cortados, fünf Bier, sechs Wasser (meinetwegen), drei schwarze Tees, ein Kräutertee. Der Rückweg ist so schön wie der Hinweg (Blüte, Blüte, Blüte) und das Abendessen in Plasenzuela etwas rustikaler als gestern. Das Lichtkonzept über der Plaza in Trujillo gleicht dem gestrigen. Doch heute hat die Bar am westlichen Ende der Straße geöffnet, die Gruppe teilt sich auf (Tresen und Hotel).

Trujillo/Los Barruecos, Dienstag, 31. März, dritter Tag
Wir brechen früh auf, passieren die Cañada Real Leonesa Occidental, eine der großen Routen des Viehtriebs (Transhumanz) und sind bald in Malpartida de Cáceres. Südlich der Stadt liegt eines der schönsten Naturschutzgebiete Spaniens — der See und die Granitformationen von Los Barruecos. Drei Museen offerieren Ihre Sammlungen: Eines mit den Werken des deutschen Künstlers Wolf Vostell, nebenan wird die Kunst des Fluxus präsentiert und in einem Seitentrakt das Museum der Transhumanz. María Fe Plaza, die Leiterin der Museen, ist stolz auf das kulturelle Zentrum hier in der Peripherie Spaniens. Die großen Installationen Vostells mit den Cadillacs oder der Raum mit den Fernsehgeräten, aus denen Beton quillt, die Motorradwand von Dalí (ein Geschenk an Vostell) mit Wagner-Musik, die riesigen Bilder und Collagen. Ein Schatz! Im Fluxus Museum Werke von Yoko Ono, Nam June Paik, Daniel Spoerri — und der Blick über den See verspricht auch für den nächsten Programmpunkt Außerordentliches. Auf hohen Granitfelsen nisten Störche, vor uns fliegt eine Blauracke auf, Kuhreiher und Stelzenläufer, Graureiher und allerlei Entengetier beobachten uns. Im See dehnt sich viele hundert Meter flutender Hahnenfuß aus, es ist genau die Stunde, unter einer großen Steineiche »Porticus« von Gabriel Garcia Lorca zu lesen. Eine Stunde später: vier große Tische sind im Restaurant des Museums für uns gedeckt, Paco hat gekocht, Manuela und Ana servieren. Rebhuhnsalat, Piquillo-Paprikaschoten gefüllt mit Seehecht und Algen, Lammeintopf im Extremadura-Stil, Orangenragout. Nach so viel Opulenz bringt uns Cáceres wieder ins Lot. Der alte Stadtkern hat seine maurische Archtektur bewahrt, Marco führt uns. Es wird still, als er, geschützt im Portikus eines historischen Hauses, von der spanischen Zivilgesellschaft erzählt, wie das Land mit den Folgen des Bürgerkriegs umgeht und die Spanier die Loslösungsbestrebungen der Kalalanen betrachten. Und da ist noch die Geschichte mit seiner Großmutter, die von einer der wenigen Bomben, die in Cáceres einschlugen, fast getroffen wird und doch überlebt, aber das Klavier, nein, der Flügel, in ihrem Haus zerfetzt wird und die Tastatur weit über die Plaza fliegt und unter Umständen gefunden wird, die kein Mensch glaubt ...

Trujillo/Robledillo de Trujillo, Mittwoch, 01. April, vierter Tag
Der Eber. Ein riesiges Tier, ein Schwein der Rasse Pata negra, die Verkörperung des Urtümlichen. Dahinter der Bauer, einen Stock in der Hand. Das Tier lässt sich von uns nicht ablenken, umkurvt den Bus, eilt mit seinem Herrn weiter auf das Dorf zu, beide verschwinden im Gewirr der Gassen. Wohin sie nur unterwegs sind? Soll der Eber geschlachtet werden? Oder eine Sau decken? Gewiss, Tod oder Leben stellen eine enorme Bandbreite dar — über deren Entsprechung jedoch Ungewissheit herrscht. Wir folgen dem Paar einige Straßenzüge lang bis zur Bar Sevilla. Die folgende Kommunikation mit dem Wirt ist quasi nonverbal, aber außerordentlich präzise. Er steht hinter dem Tresen, ich vor der offenen Türe, innen plärrt eine von Musik unterlegte Stimme aus dem Fernseher. »¡Buenos días! ¿Geht es gut?« »Ja, wir sind wieder hier zum Wandern, nachmittags kommen wir, wollen draußen sitzen, gegen vier. Geht das?« »Gerne, ich stelle die Stühle auf. ¡Hasta luego!« Die Tour selbst ist wie stets ein florales Crescendo und auch hier gibt es einen Lesepunkt. Eine Felsformation über unermesslich weiter Ebene (das Katalogbild der Reise). Ich lese eine Passage aus ›Die blinden Sonnenblumen‹ von Alberto Méndez. Und der Frosch? Neben den Felsen liegen in Kaskaden sich reihende Steintröge, einst wohl Schaftränken. Das oberste Becken hingegen ist ein natürliches, ein Feuchtbiotop mit Gräsern und Wasserpflanzen. Mindestens ein Frosch lebt darin und wenn wir kommen, taucht er ab. Doch etwa an der Textstelle, in der Oberst Eymar den Cellolehrer Juan Senra verhört, wagt sich der Frosch wieder an die Wasseroberfläche. Manche sagen, er holt Luft, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es sind wenige Menschen, die hier beim Wandern eine literarische Pause einlegen. Ich bin sicher, er ist jetzt Publikum, er hört zu.

Nationalpark Monfragüe/Plasencia, Donnerstag, 02. April, fünfter Tag
Ein langes Riff zieht sich nördlich der Ortschaft Torrejón el Rubio von West nach Ost. Von Trujillo her führt die Route durch ein Meer von Steineichen, doch nun schient die Weite der Extremadura an eine Grenze zu rücken. Quarzit und Schiefer, durch den Straßenbau freigelegt, tiefe Einschnitte in verwegene Schluchten, enge Serpentinen nach unten und oben, Wellen in der Landschaft, wilde Räume, uralte Korkeichen, glitzernde Bäche. Der lange Riegel rückt näher und bildet eine der wichtigsten Dominanten des Nationalparks Monfragüe. Sein steineres Band öffnet sich in dramatischem Entwurf, weil der Fluss Tajo auf seinem Weg in den Atlantik die Sierra de Monfragüe hier durchbricht. Die Felswand linker Hand fällt fast senkrecht ins Wasser, das rechte Ufer hingegen wirkt fast betulich in seinem Anstieg hinauf zur Ruine des Kastells. Während ich dies schreibe, ist die Gruppe längst an den beiden Aussichtstürmen der einstigen Burg angekommen. Wieder ist ein Versprechen einzulösen, doch heute fällt uns der Erfolg leichter ... nein, nicht vor die Füße ... vom Himmel. Das Kastell von Monfragüe ist einer der berühmtesten Vogelbeobachtungsplätze in Spanien. An Tagen wie diesem ist das Phänomen der Thermik fast mit den Händen fühlbar und die großen Tiere lassen sich nicht lange bitten. Links, rechts, vor und hinter uns ziehen die Geier ihre Bahn. Die Felsen von Monfragüe sind Brutplätze für weit über hundert Gänsegeier, für den spanischen Kaiseradler, den Habichtsadler, für Wanderfalken, Schmutzgeier und Uhus. Zudem entdecken wir zwei Schwarzstörche auf den Felsterassen des »Salto del Gitano«. Faszinierend ist nicht nur die große Anzahl der beeindruckenden Vögel, sondern auch die Nähe, mit der sie die Türme passieren. Einem Geier in die Augen sehen, während er zwanzig Meter neben dir durch die Lauft gleitet? Hier ist es möglich. Dass wir zwei Stunden später durch Reliktbestände des mediteranen Waldes auf der anderen Seite Berges absteigen, Reifrocknarzissen und Hyazinthen, Baumheide, Gagelbaum und Lorbeer begegnen, stellt eine neue Erlebnisebene dar. Schließlich landen wir an der langen Brücke über den Fluss. Wir gehen zu Fuß hinüber, weil ein weiteres ornithologisches Schauspiel auf uns wartet. 1200 Mehlschwalbenbrutpaare nisten in den Längsstreben der Brücke. Die Nester selbst sind nur von den Ufern zu erkennen, aber der Luftraum über dem Wasser ist ein einziges fliegendes Panoptikum, sozusagen eine Open-Air-Bühne der Avifauna.

Plasencia/Garganta la Olla (Sierra de Gredos), Freitag, 03. April, sechster Tag
Die Diskrepanz beider Orte, um die es geht, lässt sich mit einem Blick in die Geschichte veranschaulichen. Ihr Kontrast beschreibt Armut und Reichtum eines Landes, seiner Gesellschaften und seines Systems, das von feudalen Herrschern und einer allmächtigen Kirche als sich bedingende Gegebenheiten über Jahrhunderte aufrecht erhalten wurde. Es sind Phänomene, die in der Extremadura am Beispiel ihrer Bauwerke noch heute nachvollziehbar sind. Ich weiß nicht, ob Sie den Film »Las Hurdes – Tierra sin Pan« (Land ohne Brot) von Luis Buñel kennen. 1931 wird der Film uraufgeführt und zeigt, so heißt es, ohne jegliche pädagogische Absicht, Armut, Elend und Pessimismus in der Mittelgebirgsgegend Las Hurdes der nördlichen Extremadura. Ich erinnere mich an die klagenden Bilder des Schwarz-weiß-Films, als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal nach Garganta la Olla komme, um eine Tour vorzubereiten. Ein aus den Niederlanden stammender Ornithologe, der in der Extremadura lebt, empfiehlt mir Las Hurdes, die Sierre de Gata oder de Gredos. Ich folge dem Pfad hinauf zu einem Hochplateau. Dann geht es durch lichte Zerreichenwälder in einem weiten Bogen hinab, vorbei am Kloster Yuste, vorbei an Beeren- und Kirschplantagen und entlang omnipräsenter Granithalden und -flanken, bis tosendes Wasser und laute Vogelstimmen den Fluss Olla ankündigen, der dem Ort seinen Beinamen gibt. Steil hinauf ziehen sich die letzten Meter, dann schlagen die Häuser von Garganta über mir zusammen. Die Gassen sind schmal, in den Stockwerken darüber ist es noch enger. Oft besteht nur eine Distanz von einem Meter zum Fenster vis-á-vis. Wie dunkel mag es hier gewesen sein, als noch keine elektrische Lampen gab, als die Menschen das Tageslicht angewesen waren, das nur als verirrte Sonnenstrahlen in mehren Winkeln auf Hausmauern, doch nie in die armseligen Wohnungen fiel. Es sind wenige Schritte zurück ins Helle. Auf der Plaza herrscht Trubel, Bars und Läden sind voll, ich setzte mich zu zwei Engländern, die auf den Brexit schimpfen und mir stolz erklären, heute seinen sie mehr Europäer als Briten. Eine sympathische Definition. Doch die Diskrepanz, die ich eingangs ansprach, ist eine andere. Unser Domizil in Plasencia, das Hotel im ehemaligen Kloster, das sich mit der ebenso mächtigen Kathedrale gleich zwei Ozeandampfern aus den Gewirr der Altstadt erhebt, macht sie deutlich. Wir kehren von unserem Ausflug heim, schreiten an der Rezeption vorbei durch weite gepflasterte Gänge, treten ein in den Kreuzgang mit seinen hohen Fensterscheiben, blicken hinauf zum Storch, rätseln über die in Öl gemalten Mächtigen an den Wänden, passieren drei der Kapellen und das Refektorium, bevor wir uns in die einstigen Klosterzellen zurück ziehen. Kein Zweifel, die Umwidmung des Ortes und seine Öffnung für das Publikum hat ihn demokratischer gemacht, aber der Vergleich zum Dunkel der Gassen von Garganta und zur Dorfstruktur am Rande des Gredos-Gebirges wirkt nach. Ohne die Armut von Las Hurdes hätte sich die Pracht profaner oder sakraler Paläste wohl nicht halten können.

Plasencia/Trevejo (Sierra de Gata), Samstag, 04. April, siebter (und letzter) Tag
Als wir Trevejo erreichten, schraubt Casilda gerade an ihrem Wirtshausschild. Die Bar in dem malerischen Dorf ist neu, merkwürdig, dass vorher niemand auf die Idee gekommen war, hier ein zeitgemäßes Lokal zu eröffnen. Wenige bewohnte Häuser stehen in dem alten Ort, manche der Mauern bergen Ferienwohnungen, diese nur sind renoviert. Die Ruine einer einst mächtigen Burg thront hoch und weithin sichtbar über Dorf und Land. Auf dem Weg zur Burg liegt ein idyllischer Friedhof, weniger ein Gottesacker, eher eine Art Himmelsgarten, umfriedet von dicken Steinen. Mehrere granitene Grabfassungen sind aufgelassen, sie erinnern an in den Boden gestürzte Türfassungen. Weil so vieles verfallen ist, nicht nur die Gräber, verlieren auch jene Sarkophage ihre Schrecken. Der ausgesetzten Lage wegen weht ein frischer Wind und wir sehen bereits beim Herfahren, dass die Vegetation hier noch nicht so weit ist wie unten in der Ebene. Es wäre angebracht, einen Kaffee zu trinken, aber Casilda erklärt, dass es Probleme mit dem Pachtvertrag gibt und ihre Zukunft in der kleinen Gaststätte in den Sternen steht. Sie entfernt das selbstgemalte Schild deswegen wieder, es war keine drei Jahre gültig. Schade. Wir setzen unseren Weg in Richtung Villamiel, »Honigdorf«, fort. Der Ort dehnt sich sacht am Berghang aus, im neuen Teil steht eine armselige Stierkampfarena, sie macht nicht den Eindruck, allwöchentlich bespielt zu werden. Die Verbindung von Trevejo nach S. Martín führt auf einer ›Ruta de agua‹, eine historische, gepflasterte Flurstraße, gesäumt von Trockensteinmauern, zwischen denen heruntergefallene Maronen liegen. Am höchsten Punkt bleiben wir auf dem Wiesenboden sitzen, der angrenzende Hang ist voller Hyazinthen, ein Stück weiter blühen Engelstränen-Narzissen. Ein ganzes Waldstück steht voll mit diesen an winzige seidene Hemdchen erinnernde Pflanzen. Ein Stück weiter unten führt die Straße um eine alte Edelkastanie herum nach San Martín. Nichts an dem Pfad herüber von Trevejo ist besonders spektakulär. Sanft und weich sind die Wiesen und Berge, nicht einmal die Steine sind scharfkantig. Wind, Regen, Hufe und Füße sorgen für Erosion. Das Besondere an dieser Kulturlandschaft liegt darin, dass selbst ihre Veränderungen behutsam ausgeführt wurden und es offensichtlich (noch) nie eine ›Flurbereinigung‹ gab, die ihr das jahrhundertealte Gesicht zerschürfte und zerriss. Ganz besonders spürbar ist das zwischen Trevejo und Villamiel, auf dem Weg hinunter zum Bachlauf, wo blauer Natternkopf steht und das Gelb der Aurikel leuchtet. Impressionen, die an Gemälde romantischer Maler erinnern. Es sind Abschiedsbilder für uns, bevor wir in San Martín einkehren, ein paar Tapas essen, Wein dazu bestellen und Kaffee trinken. Morgen Früh geht es zurück nach Madrid, den heutigen Abend werden wir auf der Plaza Mayor in Plasencia verbringen. Das Wetter ist beständig, die Luft angenehm warm. Korkeichen säumen den Weg in Richtung Moraleja, bei Coria fliegen Rötelfalke und Schwarzmilan. Es ist nicht das Ende der Welt, das wir besuchten und doch entsteht die Ahnung, Abgeschiedenes und Verborgenes berührt zu haben — ganz sacht nur, als behutsame Gäste.