Von der Mündung zu den Quellen:
Ilz und Ohen

Programm

Begrüßung über dem Wasser    Dienstag
Entweder Sie stehen um 17:00 Uhr am Bahnhofsvorplatz in Passau und steigen in unseren Bus oder Sie kommen bis 18:00 Uhr direkt zum Schloss Fürsteneck. Wir empfangen Sie hier wie dort mit herzlicher Miene. Beziehen Sie Ihr Zimmer; anschließend speisen wir alle gemeinsam zu Abend. Vorher und nachher sprechen wir über den Ablauf unserer Ilzwanderung, klären das Organisatorische und freuen uns nicht nur angesichts des guten Essens auf die kommenden Tage. Abendessen/Übernachtung in Fürsteneck.

Wie alle Flüsse münden     Mittwoch
Am Morgen bringt uns der Bus nach Passau und wir beginnen unsere Wanderung unweit des Zusammenflusses von Donau, Inn und Ilz. Auch wer eine Wanderkarte dabei hat, ist froh, dass sich der Nick auskennt, weil der Flusslauf wegen seiner zwei Schleifen fürchterlich verwirrt. Es geht durch den Triftstollen über die Ilzbrücke zur Oberilzmühle und wir sehen, dass hier zuviel Wasser auf einem Fleck steht. Der Weg windet sich höher, an alten Bahngeleisen vorbei. Alte Granitsteinbrüche erinnern uns an einstige harte Zeiten, Fischhaus kommt, dann Kalteneck; wir wechseln die Flussseite. Die Nachmittagssonne lässt die Wellen glitzern und leuchten, das Licht changiert auf dem Waldboden und wirft traumschöne  Schatten. Alle freuen sich auf unsere Schlosspension, weil wir auf der Terrasse über dem Burghof einen Krug, eine Tasse, einen Teller ... langsam, vorher geht es noch den Berg hinauf, unser Domizil liegt auf einem Felsblock. Egal. Das Leben ist schön und wenn wir oben ankommen, wissen wir, dass die Flussgötter mit uns sind. Abendessen/Übernachtung in Fürsteneck.

Ilzgewalt und Ilzerhalt     Donnerstag
Natürlich locken Flüsse immer auch jene, die in ihrem Wasser nur die energetischen Potenziale sehen. Kaum vorstellbar, wie die Ilz heute aussehen würde, wären die Planungen der sechziger, siebziger Jahre realisiert worden. Der Reihe nach. Von unserem Schloss aus steigen wir hinab, suchen die Ilz und bewegen uns nach Norden. Sägewerke, Wirtschaften, schöne Flussufer, Triftsperren, Burgen und Ruinen liegen auf dem Weg. Das Tal ist breit und lässt den Eichen-Hainbuchen-Wäldern ihren Platz. Hochstaudenfluren wechseln einander ab, Erlenauen, Seggenriede, nasse Wiesen und manch "dunkles Thann". Der Fingerhut  und das Springkraut blühen, die Falter fliegen. So könnten wir ewig gehen, doch dann kündet ein Brausen die wohl eindrucksvollste Ilzszene an: wir erreichen die Dießensteiner Leite. Der Fluss schießt durch den Stein, dort hüpft die Wasseramsel (war das nicht auch ein Eisvogel?) und aufs Neue zeigt uns das Wildwasser seine Kraft. Hier hätte ein Stausee, ein Kanal, eine Ausleitung ...? Ja, hätte. Aber der Bürgerwille war stärker. Unser Glück. Rückfahrt mit dem Bus/Abendessen/Übernachtung in Fürsteneck.

Granittheater, Strömungspanoramen und ein Abzweig ins Kaffeehaus    Freitag
Immer nur Ilz macht süchtig - wir gönnen uns einen Entzug in Form der Wolfsteiner Ohe, die weit und breit der größte Nebenfluss der Ilz ist und schon seit drei Tagen unter unseren Zimmern rauscht. Im Übrigen heißt alles Wasser auf unserem weiteren Weg nur mehr Ohe und kein Mensch weiß, welcher der maßgebliche Quellbach der Ilz ist. Deswegen machen wir uns auf die Suche. Schade nur, dass wir in Fürsteneck die Zelte abbrechen müssen. Der Weg führt uns entlang der Ohe und über die benachbarte Hügellandschaft zu eindrucksvollen Steinhaufen und Felslandschaften. Schöner Buchenwald, die eine oder andere Linde, Weidenstrunke, Ahorn. Wirtschaftswald, aber schön. Dennoch lockt uns Perlesreuth und die Kaffeetafel beim Hafner. Gut, dass uns danach der Bus nach Ringelai bringt, weil wir die Buchberger Leite durchsteigen müssen. Und den Pfahl! Ein Stollen führt durch die Quarzader und entlässt uns vor grandioser Kulisse. Wir laufen an den Granitblöcken vorbei bis Bierhütte. Hier steht schon der Bus und bringt uns nach St. Oswald. Abendessen/Übernachtung in St. Oswald.

Phantasien aus dem Böhmerwald    Samstag
Wanderung entlang der Kleinen Ohe, vorbei an der Martinsklause, durch das Teufelsloch über die Himmelsleiter auf den markantesten Berg des Bayerischen Waldes, den Lusen. Zum Abschluss Die wilde Rast - ein Besuch des Künstlerdorfes Waldhäuser am Südwesthang des Gipfels. Schon die klingenden Etappentitel verheißen etwas Besonderes. Wir durchqueren verschiedene Klima- und Vegetationszonen und begegnen dem Werk des Borkenkäfers. Großflächige Walderneuerungsprozesse finden auf den von ihm angegriffenen Waldflächen statt: Vom Sturm zu Boden gerissene Baumriesen ragen mit meterhohen Wurzeltellern empor. Auf den vermodernden Stämmen haben sich Sämlinge und junge Bäume eingefunden. Sie sind ein Zeichen für den immerwährenden Entwicklungsgang der Natur. Von der Natur zur Kultur: Waldhäuser und die Künstlervereinigung "Donau-Wald-Gruppe" mit ihren Freunden von Alfred Kubin bis Hans Carossa sind ohne einander nicht denkbar und haben ihren festen Platz in der Kunstgeschichte. Abendessen/Übernachtung in St. Oswald.

Die Ursprünge der Schwarzen Perle Sonntag
Am letzten Tag führt uns die Reise in die Schatzkammer unseres Flusses, zu seinen Quellen unterhalb des Lusens an der böhmischen Grenze. Hier liegen die Filze bzw. Hochmoore des Bayerwaldes aus denen die Ilz gespeist wird. Es sind landschaftlich prägende Höhepunkte von größter ökologischer Wertigkeit. Zum Ausblick über die Ufer: Der älteste Nationalpark Deutschlands steht immer noch in der Kritik. Wir werden uns zum Abschluss mit der Frage beschäftigen: "Wildnis-Management" - naive Schwärmerei, Utopie oder sogar eine ökologische Kulturrevolution? Zur Beantwortung besuchen wir das erste Informationszentrum des Nationalparks, das Hans-Eisenmann-Haus. Rückfahrt mit dem Bus über Fürsteneck nach Passau.



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