POESIE DER TEILNEHMERINNEN
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I PINI LORICATI
Schritt vor Schritt - hinauf durch die Schlucht, in der die Wasser des Flusses über die Steine springen. Schritt vor Schritt - hinauf zum Licht, das durch die Baumkronen dringt. Schritt vor Schritt - hinauf durch den Buchenwald, hinüber zur Wiese. Inmitten der Sommerblumen eine Rast; die wilden Schweine ergreifen die Flucht vor diesen "Störenfrieden". Schritt vor Schritt - hinauf am Fluss entlang, bis über uns der Himmel sich ausbreitet und ein Kreuz die Nähe des Gipfels ankündigt. Schritt vor Schritt - die Bergkette entlang, den Blick hinunter auf zwei Meere. Schritt vor Schritt - hinauf zu Gottes Garten, bewacht von den Giganten, Wächter über tausend Jahre. Schritt vor Schritt - in Bewunderung ihrer Zähigkeit schreiten wir von einem zum anderen. Schritt vor Schritt - Ich grüße euch - Pini loricati - Unter der Himmelskuppel, geformt von Wind und Wetter, trotzt ihr Hitze und Kälte, seid erhaben über den Kleingeist der Menschen - Pini loricati - Götter einer vergangenen Zeit, Wächter einer unbekannten Zukunft.
Christiane Krempien (2007)
Wenn Sirentes und Majellas Gipfel
Wenn Sirentes und Majellas Gipfel morgens noch verhüllt, wenn bei Milchkaffee der erste Hunger ist gestillt, wenn auf breiten und auf schmalen Pfaden mancher Gipfel war gewonnen, wenn durch lichte Wälder, sanfte Hügel, dunkle Schluchten wir geronnen, wenn vielfältigste Faun' und Flora mit Düften und mit Schönheit uns betört, wenn nicht die kleinste Zwistigkeit die Harmonie der Gruppe hat gestört, wenn pünktlich zehn vor eins zur Mittagsrast gepicknickt werden konnte, (wobei der eine schattig saß, der andre sich mit Wonne sonnte), wenn Lit'ratur und Kunst mit dieser Landschaft sich vermählt und man vergaß, dass man bergauf sich hatte doch gequält, wenn's heimwärts ging, dass an den primi und secondi man sich labe ? dann war'ns die Wanderferien mit Herbert Grabe.
Ulrike Hüning, 2005
Die Wiesen des Campo Imperatore
Ich habe den Sommer gespürt auf den Höhen der Abruzzen, ein Sommer, der ein Frühling war im Angesicht der Blüten auf weiß kalkigem Gestein.
Den steten Schritt des Wanderers, begleitet das zarte Surren der Insekten und das Zirpen der Grillen in flirrender Sommerhitze. Unendlich weit die grünen Matten, gesäumt von Gipfelketten,
darauf der Schnee die letzten Spuren des Winters zeigt.
Schafherden, geleitet von Schäfern und Hunden ziehen träge grasend über sonnendurchflutete Höhen, wiederkäuende Rinder neben galoppierenden Pferden, gefolgt von ihren Füllen. Ein Spiegel von Kraft, Ruhe und Genügsamkeit, Teil des Kosmos, in sich vollendet unter der Kuppel des azurblauen Himmelgewölbes - wohlgestaltete Schöpfung.
Ich habe unter der Sonne der Abruzzen, gelöst von der Zeit die Unendlichkeit des Raumes gespürt.
Christiane Krempien (2004)
Abruzzen
Sind es die Farben der Buchenwälder und Olivenhaine oder das Dunkel der Pinien und das Zypressengrün
Ginster sticht mir gelb in die Augen Klatschmohn schreit auf zwischen dem Purpur der Orchideen
Oder ist es der Duft der karstigen Bergwiese Duft von Rosmarin und Minze und immer wieder Thymian
Das Leuchten des Frühlings vermischt mit dem Duft des Sommers und den warmen Farben des Herbstes von der Majella weht Schneewind
Friedrich Brandl (2002)
Wir leuchten und spielen in den Abruzzen
Die Mehrzweckhalle spuckt uns aus, um dann in morgenkühlen Bussitzen das Erbarmen der Wandergötter herbeizuflehen.
Einsame Frauen berühren ergraute Herzen einsamer Männer während unzähliger Schritte durch Buchenwälder
Steinberge zittern vor Leben und Kräuterwiesen explodieren im Rausch; neben dir stehen wieder Orchideen
Weggespült im Sand verloren, ein Seitenblick, verborgen im Buchenwald.
Es war das Licht, sagte der Mörder Es ist schön, sagst du.
Ein Leuchten sprengt deine Angst und warme Steine umarmen dich.
Lebenslügen verbleichen, schrittweise, werden Schatten.
Jedes Wort bricht sich im Licht, jeder Tritt wird Musik
Lothar Schenk, 2001
Über Stock und Stein
Über Stock und Stein In die Schlucht hinein Über Bergeskamm Himmelan Im Schatten der Buchen Nach Spuren suchen An Herberts Hand Durchs Abruzzenland.
Brigitte von Ruetzen (2000)
Durch die Gole von Celano
Durch die Gole von Celano Klettert die Gruppe mühsam empor Im Valle Orfento darauf Schreitet sie munter hinab. (frei nach Schiller)
Dr. Günther Noll (2000)
Und Schluchten gab es
Und Schluchten gab es, welche tief Wo man an Bäume, welche schief sich klammern musste, welch ein Graus Das hält der stärkste Mensch nicht aus.
Karin Toll (2000)
Hätten die Nüchternen
"...hätten die Nüchternen einmal gekostet - alles verließen sie und setzen sich mit uns an den Tisch der Sehnsucht der niemals leer wird..." (Novalis)
zitiert von Dr. Ludwig Hesse (2000)
Tu eras dux nobis
Tu eras dux nobis semper peritissimus rerum Omnibus monstrabas pascua, templa, montes. Laboribus magnis longoque itinere fessi Pervenimus metas usque ad amoenas. Alto amore captus pulcherrimae eius telluris Dedisti gaudium te duce ab primo die Cum repeto diem regionis illius extremum Labitur ex oculis nunc quoque gutta meis.*
Du warst uns immer ein äußerst kundiger Führer, hast uns allen Wiesen, Kirchen und Berge gezeigt. Obwohl durch große Strapazen und lange Märsche ermüdet, gelangten wir dennoch an liebliche Ziele. Von tiefer Liebe zu diesem äußerst schönen Landstrich geprägt, hast du uns unter Deiner Führung vom ersten Tag an erfreut. Immer wenn ich an den letzten Tag in jenem Gebiet denke, rinnt aus meinen Augen auch heute noch eine Träne.
Dr. Hartmut Fuchs (2000) *letzte lateinische Zeile: Ovid
Wege
Wege ohne Wiederkehr Gradenlose Zielgefüge
Gänzlich in Gedanken badend wandern Menschenzüge
Deine Hand hält Duft gefangen Echo und viel Lebensbangen
Lichterwiesen Schattengegend durch Geröll sich fortbewegend
Wasser draussen Bier am Bus Esshotels mit Weingenuss
Laufen, wandern meditieren Tage, Jahre Leben spüren!
Lothar Schenk (1999)
Über dem Orfento
Warm noch die Sonne auf der Haut Sanft berührt mich der Wind Wärme weht hinüber Über die Dächer Von Caramanico
Weit der Blick und das Herz Im wilden Felsgewirr Zersingt ein Vogel Die Stille In mir
Geduldig sucht Das Wasser sein Bett Zufrieden gurrt es sein Lied Umschmeichelt den Fels Mit zärtlicher Hand
Kalt grüßt die Maiella Verhült sich im Gewölk Grau küssen sich Himmel und Berg
Erinnerung will nicht warten Wir dort droben Und die Hirten Deren Spuren Von Einsamkeit erzählen
Ginster verschwendet Gelb im Land Eine Kirche genießt die Abwechslung Eines touristischen Ausflugs
Lippenrot verfällt Die Sonne dem Horizont Ein kalter Wind Erinnert an die schaurige Schlucht Tief unter mir
Müde von der flirrenden Hitze Eines langen Tages Lehnen sich die Häuser Von Caramanico An die Majella Voller Sehnsucht vielleicht Nach Sternenbehang Dem Ruf der Nachtigall
Zeit zu gehen Doch irgendwo in mir Spüre ich Die Unendlichkeit zwischen Tag und Traum
Dr. Helmut Moßner (1999)
Der Abruzzenblues
Es gibt Tage, die verschiedene Jahre zusammenfassen, als würden Generationen von Kindheitsträumen zusammengetragen auf einem Haufen karstiger Steine
Es gibt Tage, die Lichttage sind, Spendertage nicht wie Seifenspender in Hotels eher Wiesen- und Bergblumenspender Zusammenfügungen und Erweiterungen von kleinen Traumhorizonten.
Es gibt Tage, Bergtage, Wander- und Menschentage, Naturtage nicht Urlaubstage im Nichtsein, die Abruzzentage sind, Bluestage weil Trauertage sind, Trauer und Lebensfreude zugleich!
Lothar Schenk (1997)
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